Die richtige Kamera

Eine der ersten Fragen, die sich jemand bei der Anschaffung einer Kamera oder eines ganzen Kamerasystems stellen mag, ist die Frage nach der Bildqualität. Gemeint ist damit die heutzutage technisch machbare Bildqualität.

Was ist nun die beste Kamera für Dich?
Die Antwort ist wie immer im Leben: …das kommt darauf an…

Zum einen gilt es bei der Wahl der Sensorgrößen zu entscheiden.
Ich lasse Mittel- und Großformat wie z.B. Haselblad einmal außen vor, da diese Systeme sehr teuer sind und oft auch sehr schwer. Sie produzieren aber eine herausragende Bildqualität. Ich für mich habe entschieden, dass es mir das nicht wert ist. Wenn aber technisches Bildqualität das A&O ist, sind das grandiose Systeme.

„Normale“ Kameras für „normale“ Menschen…
Mit allen halbwegs aktuellen Kamera(systemen) kann man fantastische Bilder machen.

Das Vollformat entspricht dabei analogem Kleinbild und bildet -vorallem in der Available-Light-Fotografie (wenig Licht, ohne Blitz) die bessere Bildqualität zu kleineren Sensoren, da sie in hohen ISO-Bereichen deutlich weniger rauschen bzw. bei jpegs ooc, also direkt aus der Kamera, mehr Details erhalten bleiben*.
Auch bieten sie bei gleicher Brennweite zu anderen Sensorgrößen die geringere Tiefenschärfe. Es lassen sich also mit Vollformat leichter Objekte von der Umgebung, die unscharf dargestellt wird, herauslösen und damit freistellen.

Der nächstkleinere Sensor ist APS-C.
Durch die Physik ergibt sich bei diesen Sensoren bei schlechtem Licht etwas mehr rauschen bzw. bleiben Details nicht ganz so gut erhalten.
Da man für den gleichen Bildwinkel wie beim Vollformat etwas geringere Brennweiten benötigt – bei Nikon um den Faktor 1,5, bei Canon 1,6 – ergibt sich eine größere Tiefenschärfe.
Ansonsten kann man mit Kameras, die einen APS-C-Sensor besitzen ebenfalls alles machen und zwar ganz hervorragend, was man mit Vollformatkameras kann.

MFT ist ein noch kleinerer Sensor. Der Sensor ist um den Faktor 2 kleiner.
Ein 50mm-Objektiv hat an einem Vollformatsensor einen Bildwinkel von 46°. Will man diesen Bildwinkel an mft, braucht man ein 25mm-Objektiv. (Oder anders ausgedrückt: 50mm-Objektive verhalten sich auf mft ähnlich einem 100mm-Objektiv auf Vollformat.)
Dementsprechend muss für eine ähnliche Freistellung die Blende entsprechend umgedacht werden; Habe ich bei einem 50mm Vollformat-Objektiv die Blende 2,8, benötige ich für einen ähnlichen Bildlook bei mft ein 25mm-Objektiv mit Blende 1,4.

Die Angabe der Brennweiten am Objektiv sind immer absolut. Also muss ich diese Brennweite umrechnen, um herauszufinden, welchen Bildwinkel das Objektiv im Vergleich zum Vollformat – also früheres Kleinbild – hat. Bei mft also x2.

mft-Sensoren besitzen durch ihre noch geringere Größe etwas mehr Rauschen und es ist ein größerer Tiefenbereich scharf.

Meine Erfahrungen mit einer Panasonic G91 und einer Olympus E-M5 waren sehr gut. Beides sind tolle Kameras, mir lag die Bedienung der G91 etwas mehr, weil sie gut ausgestattet ist, was die Bedienungselemente an der Kamera betrifft.
Olympus hat sich durch seinen Schutz gegen Staub und Wasser einen guten Ruf erarbeitet, ähnlich Pentax im APS-C- und Vollformatbereich.

1″-Sensoren haben einen Umrechnungsfaktor von ca. 2,7.
Natürlich ist die technische Bildqualität gegenüber einem Vollformatsensor, vor allem bei schlechtem Licht, weit unterlegen. Andererseits habe ich mit meiner RX10 IV wunderschöne Fotos auf Urlauben gemacht.
Außerdem wollte ich auf Flugreisen nicht schon mit der Fotoausrüstung das erlaubte Maximalgewicht ausreizen. 😉

Andere Point-and-Shoot-Kameras und Smartphones haben noch wesentlich kleinere Sensoren, mit all den besprochenen Vor- und Nachteilen:
– Möglichkeit der kleineren und leichteren Bauart
– Größerer Schärfebereich
– schlechteres Rauschverhalten
– geringeres Freistellungpotential

Damit stellt sich an dieser Stelle schon mal eine Frage, die vor dem Kauf einer Kamera beantwortet werden will:
Welchen Kompromiss bin ich bereit einzugehen?
Will ich ultimative Bildqualität, lande ich beim Vollformat oder noch größeren Sensoren und nehme unter Umständen mehr Größe und Gewicht (vor allem durch die Objektive) in Kauf.
Will ich ein kleineres und leichteres System (APS-C, mft, 1″ oder kleiner) sind die Low-Light- und andere Fähigkeiten mit nehmender Größe des Sensors immer eingeschränkter.

Damit wird jedes System zum Kompromiss.

Weitere Überlegungen folgen: Ausstattung wie

  • Autofokus
  • direkte Knöpfe zur Einstellung der Kamera, ohne in ein Menü gehen zu müssen 1
  • IBIS (Bildstabilisator in der Kamera)2
  • Videofunktionalität
  • Blitz eingebaut
  • Sucher/Monitor3
  • NFC, Bluetooth, Wi-Fi
  • Farbaufbereitung der jpeg-Engine

Und als ob die Sache nicht schon kompliziert genug wäre, kommen noch die Objektive dazu.

* Bei der kameraeigene jpeg-Aufbereitung wird das Bild je nach Einstellungen mehr oder weniger entrauscht. Bei diesem Vorgang werden aber feine Texturen im Bild mit zunehmender ISO-Zahl mehr und mehr verwaschen und verschwinden zunehmend.

1 Teurere Kameras haben mehr Knöpfe am Gehäuse, damit man wichtige Einstellungen vornehmen kann, ohne ins Menü zu müssen. Das geht schneller. Viele Funktionen haben die günstigen Kameras aber ebenfalls, nur müssen Änderungen im Menü vorgenommen werden.

2 Ein IBIS unterstützt vor allem im Normal- und Telebereich. Bei einigen Kameras arbeitet er mit der Stabilisierung im Objektiv zusammen und verbessert die Werte. Im Ultraweitwinkelbereich hilft er allerdings nur im Zentrum des Bildes, nicht aber am Bildrand.

3 Das Fotografieren mit Sucher ist einerseits Geschmacksache – Diskussionen zum Thema „optischer oder elektronischer Sucher“ füllen Forenseiten – aber auch eine Möglichkeit, die Kamera ruhiger zu halten, da sie zusätzlich am Kopf/Auge gehalten wird. Außerdem gibt es Situationen, in denen das Fotografieren mit Monitor nicht gut funktioniert; Bei direkter Sonneneinstrahlung z.B. sieht man nicht mehr viel am Monitor, im Sucher gegen bleibt alles erkennbar.